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Blog 18 – Grossraumbüro SBB

Am Mittwoch Morgen startete mal wieder alles mit einem Morgentraining. Wie meist schon früh vor sechs Uhr. Es war eher ein Durchschnittstraining. Irgendwie bin ich schon etwas ausgelaugt. Die Trainingswoche, die am Sonntag startete, war anstrengend. Nach einer Stunde war das Ganze dann auch geschafft.

Weiter ging es im Büro, Bloggen und arbeiten für die Vefko. Bald haben wir die 20’000 Views und dieses Jahr ist bereits jetzt das Zweitbeste. Natürlich ist das grösstenteils der Tour geschuldet. Trotzdem bin ich auch jetzt so auf einem Schnitt von 20 – 30 Views pro Tag. Übrigens, wer keine Blogs mehr von mir verpassen will, kann den Blog abonnieren. Die Box dazu ist auf der rechten Seite.

Am Abend hiess es dann für mich, noch mal zum Training antreten. Mit dem Zug nach Zürich. Die ein stündige Fahrt nutze ich des öfteren zum Arbeiten. Da bin ich nicht der einzige. In der Schweiz ist das schon bei vielen Firmen Unternehmensstrategie. Reisezeit gleich Arbeitszeit, so zahlt sich die etwas längere Fahrzeit mit dem öffentlichen Verkehr plötzlich auch aus.

Ist irgendwie schon komisch… vor Jahren sagte mir mal ein Sunnie (so nannten sie die Mitarbeiter der Firma SUN Microsystems): „Als Programmierer landest du irgendwann im Management.“ Damals wollte ich ihm das nicht so recht glauben, aber wenn ich schaue, was ich heute so tue. Irgendwie alles, nur keinen Code schreiben.

Als ich Vefko startete, stellte ich mir das noch etwas anders vor. Es ist verrückt, wie viel Arbeit so ein Projekt macht, die keiner sieht. Vom Sponsoren suchen über Marketing bis hin zu rechtlichen Aspekten ist da alles dabei. Wer meint, mit programmieren alleine ist es getan, irrt sich gewaltig. Es hat schon manche gute Software gegeben die wegen dem schlechten Umfeld sich nie durchsetzen konnte und umgekehrt.

Das Training war nach einer Stunde auch vorbei. Das Koordinationstraining war dringend nötig. Da am Montag die Anlage geschlossen hatte, fehlte mir eines dieser Training. Wie ich ja bereits in früheren Blogs schrieb, Spass machen diese Trainings nicht. Ich bin wirklich froh, wenn am Donnerstag die Trainingswoche endlich zu Ende geht.

Irgendwann in der Nacht kam dann auch ich nach Hause und so ging auch ein weiterer Tag von mir zu Ende. Und wir lesen uns wieder, morgen um 17:00 Uhr

Blog 15 – In sieben Jahren eine Cerebral Parese wegtrainieren.

Am Samstag war ich am Pfingstmeeting in Zofingen (CH). Das ist ein relativ grosses Meeting. Ich entschied mich sehr kurzfristig, doch ein 100m zu laufen. Der Entscheid fiel am Freitag Morgen nach einem wirklich guten Morgentraining.

Seit etwas mehr als zwei Wochen habe ich den Verdacht, dass bei mir Muskelgruppen aktiv sind, die noch nie über längere Zeit aktiv waren. Ich konnte dieselben Muskelgruppen letztes Jahr mal für kurze Zeit ansprechen, jedoch nur für ein paar Tage. Auch wenn das natürlich einen unglaublichen Schritt nach vorne wäre, spüre ich aktuell vor allem die negativen Auswirkungen. Denn die Muskeln greifen falsch in den Bewegungsablauf ein, heisst, arbeiten ein Grossteil gegen die anderen Muskeln.

Das führt teilweise zu grösseren Probleme beim laufen. Ich knicke manchmal zum Beispiel einfach ein, wenn das rechte Bein mal zum falschen Zeitpunkt anzieht. Das Koordinationstraining hat meist „verschlimmernde“ Wirkung, weil danach die Muskeln aktiver sind. Mit dem Fahrradtraining kann ich das wieder ausgleichen, da die runde Bewegung des Fahrrads den Muskeln klarere Vorgaben macht als das freie Gehen.

Ich hoffte, in Zofingen die Muskeln vielleicht mal einsetzen zu können, und mit einer guten Zeit beweisen, dass meine These auch stimmt. Das gelang mir leider nicht. Es braucht wohl noch etwas Zeit.

Trotzdem spürte ich auch hier wieder die Muskeln im Einsatz… wenn auch völlig falsch. Aber hey, die Muskeln machen endlich mit… nach 37 Jahren. Die müssen nicht in den ersten Monaten schon können, was die anderen in all den Jahren lernten!

Das Publikum war während dem Lauf 1a. Alle klatschten mich im Takt über die Ziellinie. Aber noch viel besser waren die einzelnen Gespräche. Alle sagten klipp und klar: „Hey, das musst du durchziehen, egal wie hart und beschissen die Trainings sind.“

Beschissen und hart sind die Trainings, ja. aber das spielt mir immer weniger eine Rolle. Denn ich habe ein Ziel vor Augen dass ich schon ganz weit hinten am Horizont sehe. Ich kämpfe mich langsam vor zu dem Ziel. Schritt für Schritt, Training für Training. Klar, das wird kein Spaziergang. Dieses Ziel wird noch mal alles von mir verlangen. Vor allem wird es mein Durchhaltewillen noch mal auf die Probe stellen.

Sieben Jahre gebe ich mir Zeit, um das Monster CP zu besiegen!

Blog 10 – Erstes Ettappenziel, 100m unter 30s

Es ist Zeit für mich, mein erstes Etappenziel auf dem Weg zum normal laufen zu veröffentlichen. Ich nenne die Ziele mit Absicht Etappenziele und nicht Saisonziele. Denn es ist eine Etappe auf dem langen Weg zum normalen Laufen. Im Lauf in La Chaux-de-Font habe ich eine Zeit über 34 sec gehabt. Die PB, die ich vor 3 Jahren in Winterthur aufstellte beträgt 28.88. Eine Zeit unter 30 ist also für den Moment eine gute Zeit.

Ich hätte dieses Ziel auch als Saisonziel setzen können, doch damit fixiere ich mich, dieses Ziel an einem Saisonhöhepunkt zu erreichen. Anders als andere Athleten arbeite ich nicht auf einen Saisonhöhepunkt hin. Ich erreiche die Zeit mit dem Verbessern der Koordination, und nur damit. Die Zeit wird automatisch fallen, wenn die Koordination verbessert ist.

Der Fokus wird aktuell auf dem rechten Bein liegen. einerseits dass es sich mehr durchstreckt, und andererseits auf Intermuskuläre Koordinationsoptimierung. (Das Zusammenspiel der einzelnen Muskeln) Für das Durchstrecken ist natürlich zum einen Dehnen angesagt, andererseits auch eine Lösung der Spastik. für die Intramuskuläre Koordination ist das Fahrradtraining und zum Beispiel auch Slow Motion Training (zum Beispiel auf dem Laufband) eine Möglichkeit. Bewegungsvorstellung kommt dabei auch zum Einsatz. Zwischendurch gibt es immer wieder praktische Teile, in denen das ganze umgesetzt wird. In langsamen und in schnellen Bewegungen.

Videoanalysen werden regelmässig zur Erfolgskontrolle gemacht, und damit ich weiss, woran ich gerade arbeiten muss. Denn das Gefühl und die Realität unterscheidet sich manchmal erheblich.

So habe ich mein Ziel vor meinem zweiten grossen Lauf veröffentlicht. Damit wissen nun alle, was diese Saison Sache ist.

Blog 9 – Endlich geht es wieder bergauf

Nach dem ich nun eine Woche gelitten habe, und nicht vom Fleck kam, geht es nun sportlich endlich wieder bergauf. Schon das gestrige Morgentraining war ganz in Ordnung. Am Nachmittag war es dann richtig gut. Ich hatte ziemlich tempo drauf, und die Kadenz war ok. Mit schneller Kadenz habe ich noch immer etwas mühe, aber das kann sich ja auch nicht von einem Tag auf den anderen verziehen.

Heute Abend war das Training nicht mehr ganz so gut wie gestern Abend, aber vergleichbar mit dem gestrigen Morgentraining. Allerdings sind die spastischen Muskeln fast noch etwas entspannter. Wie diese Trainingswoche aussieht, weiss ich noch nicht ganz. Das hängt stark davon ab, ob ich nach Langenthalt gehe oder nicht. Aktuell ist auf Donnerstag Regen gemeldet, das kann sich allerdings noch ändern. Ich denke ich werde so am Dienstag Abend entscheiden, ob ich in Langenthal antreten werde.

Sicher werde ich am Montag Laufkoordination machen, und am Dienstag ein eher schnelles Fahrradtraining. Wenn es nach Langenthal geht, mache ich am Mittwoch eine Pause, um am Wettkampf fit zu sein. Gehe ich nicht nach Langenthal suche ich vielleicht einen Alternativwettkampf am Wochenende. (vorausgesetzt, das Wetter stimmt dann)

Ach ja, es ist nicht so, dass ich Wasserscheu währe. Bis jetzt habe ich eigentlich jeden Wettkampf gemacht, auch bei Regen. Es ist halt nur so, dass diese Saison mehr eine Zwischensaison ist, wo der Fokus auf den Trainings, und nicht auf Wettkämpfen liegt. Für die paar Wettkämpfe die ich mache, möchte ich dann halt einigermassen gute Bedingungen. Und dazu gehört für mich eine Trockene Bahn.

Auf jeden Fall bin ich froh, dass das mit der Spastikerhöhung nur eine Phase war. Es zeigt sich, dass es sich wirklich lohnt, da etwa hartnäckig zu sein, und die Trainings trotzdem zu machen. Das war auch ein wichtiger Grund für den Tourabbruch. So hart ans Limit, wie ich die letzten Tage gegangen bin, kann man auf einer Tour nicht gehen. Es sei dann, man fährt mit Betreuung und Begleitfahrzeug. Von da her ist es gut, dass ich wieder im richtigen Training angekommen bin.

Blog 8 – Der tägliche sportliche Kampf

Ja, die letzten Trainings waren nicht gut. Am Mittwoch musste ich mich wieder mal ins Training zwingen. Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust. Sprinttraining war angesagt, doch da ich schon den ganzen Tag mit gehen meine Probleme hatte, wird es wohl eher ein Koordinatives Training.

Auf der Zugfahrt nach Zürich hatte ich meine Zeit, mir Gedanken zu machen und ich fragte mich mal wieder, warum ich mir das antue. Die Antwort kam von der anderen Seite vom See von Rapperswil-Jona. Florian Schmuckli, ein Verteidiger von denen, kenne ich seit er noch ein kleiner Junge war. Er träumte schon Damals vom Hockeyprofi in der höchsten Schweizer Eishockey Liga. Heute ist er es. Er legte mit Rapperswil-Jona Lakers eine unglaubliche Saison hin. Holten als unterklassiges Team erst den Cup Sieg und erreichten am Ende das Saisonziel – den Aufstieg in die Höchste Schweizer Liga. Florian selbst hat vor der Play Off noch den Vertrag um zwei Jahre verlängert.

Florian hat mich einst bewundert, für meinen Willen und meinen Kampfgeist. Ich möchte hier sagen, dass Rappi auch einen Einfluss auf mein Comeback hatte, auch wenn das natürlich nie von ihnen Beabsichtigt war. Der Cupsieg kam genau in diese Zeit, in der ich mir ernsthaft Gedanken über ein Comeback machte. „Die rackern sich gerade für ihr Ziel ab, und ich… ich hab es vor einem Jahr aufgegeben“, dachte ich mir damals. Gerade wenn es nicht so läuft, baue ich mich an solchen Erfolgsgeschichten wieder auf.

Das täuscht leider nicht über die aktuellen Probleme hinweg. Die Spastischen Muskeln setzen offenbar alle Hebel in Bewegung um mich vom Training abzuhalten. Offenbar haben sie was zu verlieren. Das Koordinationstraining scheint zu wirken, nur wie weiss ich noch nicht. Aktuell lassen die Muskeln nur sehr langsame Bewegungen zu bei schnellen spielen sie verrückt. Doch diese Saison mache ich weiter! Da könnt ihr Muskeln protestieren wie ihr wollt. Das ist der unterschied von dieser zur letzten Saison

„Ich werde mein Leben lang für bessere Schritte kämpfen“, sagte ich mal in einem Zeitungsinterview. Ich hab mir das mal auf die Fahne geschrieben und auch wenn es etwas vergilbt ist, es steht immer noch da! Ich rüste mich für ein langen Kampf mit meiner Behinderung über mehrere Saisons. Doch ich nehme Training um Training, Wettkampf um Wettkampf und gebe mein Bestes. Nur so kommen wir zum Ziel.

Und an Florian und die Rapperswil-Jona Lakers, bald schon werdet ihr ins knallharte Sommertraining starten. Und wenn ihr da mal bei strömendem Regen oder 35°C am Schatten einen Dauerlauf machen dürft, dann denkt daran, dass ihr das letztlich nicht nur für Euer spielen tut. Durch Euer Einsatz setzt ihr ein Zeichen und helft damit – ohne es zu wissen – auch anderen Menschen, die dieses Zeichen gerade dringend benötigen.

Und ich stehe nächsten Donnerstag in Langenthal über 100m am Start. Zumindest bei gutem Wetter. Bei Regen ist das Verletzungsrisiko auf der Bahn zu hock, da ich ohne Spikes laufe.

Stützradkrimi – Der Anfang

Ihr habt abgestimmt, und ihr wollt die Story lesen. Also schreibe ich sie auf, für Euch und vielleicht auch für mich. Viel Spass damit.

Irgendwann im Jahr 1988. In einem kleinen Landschulhaus in Hünenberg gehe ich in die Schule. Ich bin Integrationskind – damals noch eine komplette Ausnahme. Meine Eltern kämpften sehr dafür, weil sie in meiner Intelligenz das Potential für meine Zukunft sahen. Normalerweise hatte man für Fälle wie mich extra Schulen. Setzten sich die Eltern nicht extrem ein, ging alles seinen Lauf. Etwas überspitzt gesagt, schon nach der Diagnose ist der Heimplatz reserviert.

Von all diesen Kämpfen wusste ich nichts. Für mich war es normal in die normale Schule zu gehen. Schliesslich war meine Behinderung ja in den Beinen, und nicht im Kopf. Ich fühlte mich auch gar nicht so anders. Klar ich wusste um meine Behinderung aber ich machte an den meisten Orten mit. Meine Klassenkameraden machten mir das auch einfach. Ich gehörte einfach dazu.

Ich selbst wuchs in einer Bauernfamilie auf, es zählten Werte wie Arbeiten und draussen sein. Mir brauchte man das nicht zwei mal sagen. Ich half gerne wo ich konnte und testete aus, was mit Behinderung so alles Möglich ist. Ich hatte Interesse am Bauern. Doch meinen Eltern war klar, dass ich wohl nie den Hof übernehmen werde. Sie hofften, dass ich vielleicht die Matura (in Deutschland Abi) schaffe und dann Studiere. Auf diese Weise sollte auch ich ein selbständiges Leben führen können. Das waren so die Ideen meiner Eltern.

Doch Kinder sind nicht nur den Einflüssen der eigenen Familie ausgesetzt. Mit der Einschulung prägen auch die Kontakte der Schulfreunde das Leben. Und was war unter Jungs im alter von sieben bis zehn Jahre so ein Dauerthema? Natürlich Sport! Ich konnte mich dem nicht entziehen. Meine Eltern schauten ziemlich blöde, als ich mir zum Geburtstag nichts anderes als ein Fahrradtacho wünschte. Ich muss dazu sagen, dass damals Fahrrad Tachometer noch was ganz spezielles war. Die wenigsten hatten so einen.

Für meine Eltern war das nicht verständlich. Sie sind auch die non Sportler schlichthin. Mein Vater meinte oft: „Wer richtig Arbeitet, braucht am Abend nicht noch Sport machen.“ Doch ich wollte nichts anderes als mein Zähler. Ich habe es einem äusserst einfallsreichen Fahrradmechaniker zu verdanken, dass mein Geburtstagsgeschenk erfüllt wurde. Es war damals ziemlich schwierig, einen Zähler zu finden, der an das Haverich Therapierad mit den kleinen Räder passte.

Endlich wusste ich wie viel und wie schnell ich fahre. Ich konnte mich messen. Mit mir selbst und mit anderen.  Schon bald hing auch ein Poster vom Schweizer Radrennfahrer Tony Rominger an der Wand. Der Sportler in mir war geboren und keiner hat’s gemerkt.

Fortsetzung folgt

Wenn Schuhe über ein halbes Jahr halten

Ja ok, das ist jetzt nichts spezielles, werden jetzt die meisten einwenden. Für mich allerdings schon. Durch meine spezielle Gangart lasse ich Schuhe normalerweise innerhalb von ein bis ein einhalb Monaten durch. Die Schuhe die ich aktuell trage sind aus dem August des letzten Jahres.

Aufgefallen ist mir das natürlich nicht erst jetzt aber ich wollte halt auch keinen grossen Wirbel um das Ganze machen. Die erste Zeit schob ich die längere Lebensdauer auf meine geringere Trainingsaktivität. Die hält auch bis jetzt an, da ich ja aktuell vorwiegend mit dem Fahrrad trainiere. Aber kann das eine Vervierfachung der Lebensdauer zur Folge haben? Da ich die Sportschuhe auch im Alltag nutze und ich zwischendurch auch sehr schlecht lief (was auch mehr Schuhe braucht) kann es wohl kaum der alleinige Grund sein.

Doch was ist es dann? Theoretisch ist das eigentlich nur durch eine andere Lauftechnik möglich. Doch das will ich aktuell nicht hören. Jahre habe ich dafür gekämpft und nie einen wirklichen Erfolg feiern können. Letzte Saison habe ich sogar das Ganze Trainingsprogramm nur darauf ausgelegt, Fortschritte zu machen. Ich kriegte es zwar hin, einige Muskeln zu aktivieren, die für mich bis zu dem Zeitpunkt kaum ansteuerbar waren. Doch mein Körper konnte damit nicht umgehen, und sprang nach kurzer Zeit wieder ins alte Bewegungsmuster zurück. Kein Wunder will ich im Moment nicht an Veränderungen im Laufstil oder gar an Fortschritte glauben!

Doch es sind die kleinen Zeichen, die mich immer wieder aufrütteln. Wie diese Schuhe, die schon über sechs Monate alt sind. „Es ist noch nicht vorbei“, sagt dann eine Stimme in mir. Und dann habe ich auch immer wieder Tage, an denen ich das Gefühl habe, irgendwas ist anders. Doch was, kann ich aktuell nicht sagen.

Ja, es kann natürlich auch sein, dass von den Trainings letztes Jahr doch was hängen geblieben ist. Dass genau diese Veränderungen eine Disbalance hervorgerufen hat, mit der ich jetzt über ein halbes Jahr zu kämpfen hatte. Das wäre dann auch eine Erklärung, weshalb sich Verletzungen in den letzten Monaten so still zurückgezogen haben. Aber es fällt mir schwer das zu glauben.

So viele Geschichten…

Jetzt während der Vorbereitung auf die Tour, denke ich manchmal zurück. An die vielen Geschichten die ich erleben durfte. Nur noch ein bisschen mehr als einen Monat, und ich erlebe schon wieder Neue. Eigentlich schade, denn damit verstauben die Alten.

Hätte man mir mit 12 Jahren gesagt, dass das Leben mit einer Behinderung so aufregend sein kann, hätte ich vermutlich mit dem Zeigefinger an die Stirn getippt. Ich glaube, als normaler Mensch wäre mein Leben einfach nur immer dasselbe.

So erlebe ich immer wieder Neues, aber auch ich muss mich immer wieder aufs Neue auf die Abenteuer einlassen. Etwas vorzuhaben und es zu machen sind nämlich immer noch zwei paar Schuhe. Im Sport bin ich da relativ konsequent – in anderen Belangen nicht so. Warum das so ist, weiss ich auch nicht.

Ja, ich habe tatsächlich einiges veröffentlicht im Internet. Aber es könnte noch viel mehr sein. Es gibt so viele Geschichten, die ich nie aufs Papier gebracht habe. Es gibt Tage an denen denke ich, du solltest unbedingt mehr schreiben. Doch was sollen all die Informationen im endlosen Meer der Daten. Handkehrum können diese Geschichten vielleicht auch jemandem helfen. Aber werden sie dann auch gefunden? Natürlich nicht… wenn sie nicht veröffentlicht sind 😉

Und dann ist da auch noch die Frage nach der Zeit. Soll ich mich tatsächlich mit etwas altem aufhalten? Die Geschichte wird schliesslich JETZT geschrieben. Es würde doch reichen, euch am heutigen Geschehen teilhaben zu lassen. Doch genau damit habe ich ein Problem. Sich mitten in der Schlacht hinzusetzen und einen Bericht zu schreiben ist nicht mein Ding, dann will ich kämpfen!

Genau deswegen gibt es auch keinen Erfahrungsbericht über die letzte Tour… oder meine Erfahrung mit dem Krebs, oder wie ich mit 19 Jahren die Stützräder von meinem Fahrrad abmontierte und ohne davon fuhr. Die Frage ist halt, sind diese Geschichten noch wichtig. Für mich schon, denn sie bringen mir immer dann die Motivation zurück, wenn sie mir ausgeht.

Motivation brauche ich aktuell eigentlich immer mal wieder, selbst wenn es gut läuft. Aufbautraining ist immer hart, auch für mich. Ich habe nun die erste Woche mit sechs mal Training hintereinander relativ gut überstanden. Doch der Regenerationstag ist auch schon vorbei. Und nächste Woche will der Winter noch mal zuschlagen! Ich habe langsam genug von dem.

Ab jetzt beginnt der Sägezahn. Nicht die einzelnen Training sind es, sondern die Summe der Trainings. Mein Trainingsplan ist absolut am limit, aber aktuell bin ich gut drin. Ende Juni will ich auf 80km/Tag sein und das ohne Beschwerden. Dann hätte ich innerhalb eines halben Jahres den Aufbau von 10km mit Beschwerden zu 80km ohne Beschwerden geschafft. Wäre das nicht schon fast ein bisschen Traumszenario? Ja, auf eine Art schon.

Aber Leute, ich träume bereits schon weiter… wovon ist noch streng geheim. Ihr könnt ja mal raten.

Mögliche neue Erkenntnisse im Training mit spastischen Muskeln

Hallo zusammen

Erst man eine gute Nachricht, im letzten Training des Jahres 2015 schaffte ich es, die inaktiven spastischen Muskeln in einem normalen Lauftraining einzubinden. Und das ohne Extraeinladung. Das ist ein guter Teilerfolg, die Koordination der Muskeln lässt allerdings noch zu Wünschen übrig. Was mich stutzig machte, warum wurden die Muskeln trotz Training nicht kräftiger?

Auf der Suche nach Antworten kam ich auf folgende These. Jeder Körper hat eine gewisse Regenerationszeit. Diese braucht ein Körper um alte Muskelzellen auszutauschen und die Muskeln aufzubauen. Deswegen braucht man zwischen den Trainings ein gewisse Pause. Macht man zu früh ein Training, stört man den Muskel im Regenerationsprozess. und der Muskel baut ab oder kann zumindest keinen Ausbau machen. Hat man zu viel Pause zwischen den Trainings, baut der Muskel auch wieder ab, weil er keine Impulse bekommt. Der Trainingsrythmus ist also ein wichtiger Bestandteil für ein erfolgreiches Training. Das ist allgemein bekannt. Meine Regenerationszeit liegt bei etwas unter 24h, doch gilt das für alle Muskeln, auch für solche die nun 35 Jahre gefaulenzt haben?

Meine Vermutung ist „Nein.“ Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Muskeln einen Regenerationszyklus haben wie die eines Menschen der nie wirklich Sport gemacht hatte. Deswegen füge ich ab nun bei allen Trainings die die spastischen Muskeln belasten eine Pause von 2 vollen Tage ein. Ich werde nur am Mittwoch und am Samstag die spastischen Muskeln trainieren. Die anderen Tage mache ich Trainings die die spastischen Muskeln nicht belasten.

Erste Bilanz nach einer Woche Spezialtraining

Hallo zusammen

4 Spezial Trainings a 2h, 120km mit dem Fahrrad und einen Muskelkater am Hintern, so sieht die Bilanz der ersten Woche aus. Der Muskelkater zeigt, dass ich doch nicht überall so fit bin, wie ich es sein sollte, aber das kriegen wir bestimmt noch hin.

Die Trainings haben vorwiegend zwei Schwerpunkte, Gleichgewicht und Direkttraining der spastischen Muskulatur. Während ich am Montag erst mal vor allem rum probierte, und neue Übungen austestete ging es am Mittwoch richtig los. Ich machte viele Sprünge. Etwas was ich hasse. Denn erstens sind meine Waden ziemlich Arbeitsfaul und zweitens fällt mir das anziehen der Beine sehr schwer. Ich machte erst Sprünge mit beiden Beinen über eine Linie mit dem Versuch, die Beine so weit wie möglich nach oben zu ziehen. Ein paar gute Sprünge schaffte ich tatsächlich. Nach dem Mittwoch Training spürte ich meine Waden.

Am Freitag und am Montag stand dann vorwiegend Gleichgewicht auf dem Programm. Ob das Gleichgewichtstraining auch tatsächlich wirkt, kann ich noch nicht sagen. Aber das habe ich auch nicht erwartet, das braucht schon ein paar Trainings mehr. Am Montag machte ich noch Stabilisierung… puh, die hab ich bitter nötig. Ich weiss nicht, ob der Muskelkater von den Stabiübungen kommt, oder doch vom Training des Quadroceps (meinem spastischsten Muskel) Jedenfalls hätte ich die Quadroceps Übung besser auf den Schluss des Training gespart. Anschliessend machte nämlich mein rechter Oberschenkel zu. Die geplanten 2 x 3 x 50m konnte ich so vergessen. Immerhin scheint die Message beim Herrn ober Spastik Muskel angekommen zu sein. Fertig Ruhepause jetzt wird gearbeitet!

Etwas schwieriger verhält es sich mit dem Konditionstraining. Auf der Tour hab ich bemerkt, dass zu lange Touren die Spastik ansteigen lassen. Das Problem, um die Kondition zu trainieren, muss ich längere Distanzen am Stück fahren. Es ist aber auch wichtig, die Spastik auf einem tiefen Level zu halten. sonst bringt das ganze Training wenig. Momentan mach ich das so, dass ich die Konditions Einheiten so kurz wie möglich und so lang wie nötig halte. also etwas über 40 min. zwischen den Einheiten mache ich dann eine Pause. Eigentlich wollte ich zwei mal die Woche 50 km fahren. Ich dachte, das wäre nach der Tour kein Problem. Doch die neuen Pneu (Spikes) bremsen recht massiv, und ich fahre wieder auf der Dorf route. Will heissen Dorf auf und Dorf ab. Was viele Höhenmeter gibt. So muss ich mich aktuell mit 30 km zu frieden geben. Mein Ziel bleibt aber die 50er Marke. Es ist mir aber aktuell wichtiger, die Spastik tief zu halten, als Kilometer zu jagen.

Für den Anfang war die Woche bestimmt nicht schlecht, aber auch nicht das gelbe vom Ei. Es wird wohl noch einige Anpassungen am Trainingsplan geben, bis alles passt. Ich bin ja auch erst am Anfang des Projektes.