Archiv der Kategorie: Motivation

Blog 15 – In sieben Jahren eine Cerebral Parese wegtrainieren.

Am Samstag war ich am Pfingstmeeting in Zofingen (CH). Das ist ein relativ grosses Meeting. Ich entschied mich sehr kurzfristig, doch ein 100m zu laufen. Der Entscheid fiel am Freitag Morgen nach einem wirklich guten Morgentraining.

Seit etwas mehr als zwei Wochen habe ich den Verdacht, dass bei mir Muskelgruppen aktiv sind, die noch nie über längere Zeit aktiv waren. Ich konnte dieselben Muskelgruppen letztes Jahr mal für kurze Zeit ansprechen, jedoch nur für ein paar Tage. Auch wenn das natürlich einen unglaublichen Schritt nach vorne wäre, spüre ich aktuell vor allem die negativen Auswirkungen. Denn die Muskeln greifen falsch in den Bewegungsablauf ein, heisst, arbeiten ein Grossteil gegen die anderen Muskeln.

Das führt teilweise zu grösseren Probleme beim laufen. Ich knicke manchmal zum Beispiel einfach ein, wenn das rechte Bein mal zum falschen Zeitpunkt anzieht. Das Koordinationstraining hat meist „verschlimmernde“ Wirkung, weil danach die Muskeln aktiver sind. Mit dem Fahrradtraining kann ich das wieder ausgleichen, da die runde Bewegung des Fahrrads den Muskeln klarere Vorgaben macht als das freie Gehen.

Ich hoffte, in Zofingen die Muskeln vielleicht mal einsetzen zu können, und mit einer guten Zeit beweisen, dass meine These auch stimmt. Das gelang mir leider nicht. Es braucht wohl noch etwas Zeit.

Trotzdem spürte ich auch hier wieder die Muskeln im Einsatz… wenn auch völlig falsch. Aber hey, die Muskeln machen endlich mit… nach 37 Jahren. Die müssen nicht in den ersten Monaten schon können, was die anderen in all den Jahren lernten!

Das Publikum war während dem Lauf 1a. Alle klatschten mich im Takt über die Ziellinie. Aber noch viel besser waren die einzelnen Gespräche. Alle sagten klipp und klar: „Hey, das musst du durchziehen, egal wie hart und beschissen die Trainings sind.“

Beschissen und hart sind die Trainings, ja. aber das spielt mir immer weniger eine Rolle. Denn ich habe ein Ziel vor Augen dass ich schon ganz weit hinten am Horizont sehe. Ich kämpfe mich langsam vor zu dem Ziel. Schritt für Schritt, Training für Training. Klar, das wird kein Spaziergang. Dieses Ziel wird noch mal alles von mir verlangen. Vor allem wird es mein Durchhaltewillen noch mal auf die Probe stellen.

Sieben Jahre gebe ich mir Zeit, um das Monster CP zu besiegen!

Blog 8 – Der tägliche sportliche Kampf

Ja, die letzten Trainings waren nicht gut. Am Mittwoch musste ich mich wieder mal ins Training zwingen. Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust. Sprinttraining war angesagt, doch da ich schon den ganzen Tag mit gehen meine Probleme hatte, wird es wohl eher ein Koordinatives Training.

Auf der Zugfahrt nach Zürich hatte ich meine Zeit, mir Gedanken zu machen und ich fragte mich mal wieder, warum ich mir das antue. Die Antwort kam von der anderen Seite vom See von Rapperswil-Jona. Florian Schmuckli, ein Verteidiger von denen, kenne ich seit er noch ein kleiner Junge war. Er träumte schon Damals vom Hockeyprofi in der höchsten Schweizer Eishockey Liga. Heute ist er es. Er legte mit Rapperswil-Jona Lakers eine unglaubliche Saison hin. Holten als unterklassiges Team erst den Cup Sieg und erreichten am Ende das Saisonziel – den Aufstieg in die Höchste Schweizer Liga. Florian selbst hat vor der Play Off noch den Vertrag um zwei Jahre verlängert.

Florian hat mich einst bewundert, für meinen Willen und meinen Kampfgeist. Ich möchte hier sagen, dass Rappi auch einen Einfluss auf mein Comeback hatte, auch wenn das natürlich nie von ihnen Beabsichtigt war. Der Cupsieg kam genau in diese Zeit, in der ich mir ernsthaft Gedanken über ein Comeback machte. „Die rackern sich gerade für ihr Ziel ab, und ich… ich hab es vor einem Jahr aufgegeben“, dachte ich mir damals. Gerade wenn es nicht so läuft, baue ich mich an solchen Erfolgsgeschichten wieder auf.

Das täuscht leider nicht über die aktuellen Probleme hinweg. Die Spastischen Muskeln setzen offenbar alle Hebel in Bewegung um mich vom Training abzuhalten. Offenbar haben sie was zu verlieren. Das Koordinationstraining scheint zu wirken, nur wie weiss ich noch nicht. Aktuell lassen die Muskeln nur sehr langsame Bewegungen zu bei schnellen spielen sie verrückt. Doch diese Saison mache ich weiter! Da könnt ihr Muskeln protestieren wie ihr wollt. Das ist der unterschied von dieser zur letzten Saison

„Ich werde mein Leben lang für bessere Schritte kämpfen“, sagte ich mal in einem Zeitungsinterview. Ich hab mir das mal auf die Fahne geschrieben und auch wenn es etwas vergilbt ist, es steht immer noch da! Ich rüste mich für ein langen Kampf mit meiner Behinderung über mehrere Saisons. Doch ich nehme Training um Training, Wettkampf um Wettkampf und gebe mein Bestes. Nur so kommen wir zum Ziel.

Und an Florian und die Rapperswil-Jona Lakers, bald schon werdet ihr ins knallharte Sommertraining starten. Und wenn ihr da mal bei strömendem Regen oder 35°C am Schatten einen Dauerlauf machen dürft, dann denkt daran, dass ihr das letztlich nicht nur für Euer spielen tut. Durch Euer Einsatz setzt ihr ein Zeichen und helft damit – ohne es zu wissen – auch anderen Menschen, die dieses Zeichen gerade dringend benötigen.

Und ich stehe nächsten Donnerstag in Langenthal über 100m am Start. Zumindest bei gutem Wetter. Bei Regen ist das Verletzungsrisiko auf der Bahn zu hock, da ich ohne Spikes laufe.

Blog 4 – Protest der Spastik

Heute war ein guter Tag, schönes Wetter und zwei gute Trainings. Ja, ich machte heute mal wieder ein Morgen- und ein Abendtraining. Ob ich jetzt wieder mit Doppeltrainings anfange? wohl eher nicht, aber ich fühlte mich heute einfach danach.

Die trainings waren gut, nicht weil sie hochstehend waren… nein, das waren sie nicht. Doch ich setzte mich gegen die Behinderung durch. Die Spastik unternahm so ziemlich alles, um mir den Spass am Training zu verderben. Das rechte Bein wollte beim Radfahren um keinen Preis mitarbeiten. Doch ich hatte gar keine Lust aufzugeben und schlussendlich setzte ich mich durch!

Ich glaube, der Körper protestiert momentan gegen das Koordinationstraining. Doch das ist mir sowas von scheissegal. Ich glaube, mein Körper merkt, dass ich auf ernst mache und das passt der Behinderung gar nicht.

Es sind diese kleinen Siege die die Hoffnung zurückbringen, die den Kämpferwillen in mir wecken und die sagen: „Hey, die Saison wird was.“ Endlich wieder mal was positives in der kargen, langweiligen und harten Trainingslandschaft. Endlich mal wieder eine kleine Antwort auf die Frage: „Warum tue ich mir das an.“ Genau das brauchte ich!

Ich beschäftige mich auch gerade wieder mit Zielsetzung. Ich brauche wieder ein Ziel. Vor allem brauche ich Zwischenziele. Das ist gar nicht so einfach zu definieren. Denn eine Behinderung lässt sich kaum nur in Zahlen ausdrücken.

Die grossen Erfolge sind aktuell noch weit entfernt. Doch an Tagen wie heute glaube ich, dass ich diese Erfolge irgendwann feiern werde.

Stützradkrimi – Als Unihockey das Matten Schulhaus überfiel

Huch, das war ja eine Resonanz auf den ersten Teil. Danke viel mal dafür und viel Spass beim zweiten Teil.

Das Schulhaus in dem ich zur Schule ging war ein kleines Landschulhaus. Mit Kindergarten waren wir vielleicht 50 Kinder – also sehr überschaubar. Ursprünglich ging ich dort zur Schule, weil die einen Halbtags Kindergarten hatten. So konnte ich am Nachmittag noch Therapie machen. Man hat mich dann dort behalten, weil ich so gut aufgenommen wurde. In dem Schulhaus war die Welt noch in Ordnung. Doch schon bald sollte diese kleine heile Welt von einem sehr ansteckenden Virus heimgesucht werden.

Das „Virus“ befiel vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und grassierte vor allem in Schweden, Finnland, Norwegen und der Schweiz. Die rede ist von Unihockey, einer noch jungen Hockeysportart. International wird Floorball als Begriff verwendet. In Skandinavien wird das schnelle Ballspiel seit den späten Siebzigern gespielt, die Schweiz wird Mitte der Achtziger erobert. Die Sportart löst einer der grössten Booms in der Schweizer Sportgeschichte aus. Innerhalb weniger Jahren entstehen über 400 Sportclubs und der Verband wächst auf 20’000 Lizenzierte Spieler. Die Geschichte von Unihockey ist wirklich bemerkenswert. Es war wirklich wie eine Krankheit, wer infiziert war, wurde es nicht so einfach wieder los. Mehr noch, Unihockey prägte viele Menschen, darunter auch mich.

Das alles wussten wir damals noch nicht. Es waren einfach plötzlich so komische Plastikschläger und so ein komischer gelochter Ball da. Wo her die kamen, und dass sie zu einer Sportart gehörten wussten wir nicht. Für uns war es erst mal nur ein Pausenplatz Spiel. Doch die Schläger nahmen das Matten Schulhaus fest ein ihren Bann. Schon bald machte das ganze Schulhaus nichts mehr anderes als Unihockey spielen. Alle Spielten es… ausser ich.

Ich traute mir das nämlich nicht zu. Das war eines der ersten mal an das ich mich erinnern kann, wo ich mir auf Grund der Behinderung etwas nicht zutraute. Bei Fangen, Räuber und Polizei oder Verstecken, überall machte ich mit. Aber hier sah ich irgendwie nicht die Möglichkeit. Das stimmte mich Traurig. Zum ersten Mal fühlte ich mich ausgeschlossen.

Da ich den Heimweg nicht selbst bewältigen konnte, wurde ich jeweils abgeholt. An jenem Tag wurde ich vergessen und so musste ich ein bisschen warten. Mein bester Freund, der übrigens damals Eishockey spielte, war natürlich am Unihockey spielen. Ich war so traurig, dass ich weinen musste. Meine Freunde kamen sofort zu mir und wollten wissen, was ich habe. „Da kann ich ja nicht mitspielen“, meinte ich. „Was du kannst nicht? Du hast es noch gar nicht versucht! Da ein Stock für dich, komm, und spiel mit.“ Das war die Antwort und ich war schnell überredet.

Doch ich hatte mich selbst richtig eingeschätzt. Es war tatsächlich nicht so einfach. Rennen und dann noch einen Ball führen, erfordert eine Menge Koordination. Die hatte ich einfach nur begrenzt. Das sahen auch meine Freunde, und plötzlich kam einem die zündende Idee. „Gehe doch ins Goal“, meinte einer. Und tatsächlich, da ging es besser. Innert Minuten überfiel auch mich das Virus. Ich kämpfte gegen jeden Ball der da aufs Goal kam. Einsatz pur, schrammen egal.

Ich war gerade so richtig in Fahrt gekommen als ein Auto auf den Schulhausplatz fuhr. Meine Mutter stieg aus und fragte etwas ungläubig: „Was hast du denn da gefunden?“ Ich sehe sie noch heute vor mir stehen. Die richtige Antwort wäre gewesen: „Etwas das mein Leben verändert!“ Aber das wussten wir alle noch nicht, für uns war es ja nur ein Spiel.

Stützradkrimi – Der Anfang

Ihr habt abgestimmt, und ihr wollt die Story lesen. Also schreibe ich sie auf, für Euch und vielleicht auch für mich. Viel Spass damit.

Irgendwann im Jahr 1988. In einem kleinen Landschulhaus in Hünenberg gehe ich in die Schule. Ich bin Integrationskind – damals noch eine komplette Ausnahme. Meine Eltern kämpften sehr dafür, weil sie in meiner Intelligenz das Potential für meine Zukunft sahen. Normalerweise hatte man für Fälle wie mich extra Schulen. Setzten sich die Eltern nicht extrem ein, ging alles seinen Lauf. Etwas überspitzt gesagt, schon nach der Diagnose ist der Heimplatz reserviert.

Von all diesen Kämpfen wusste ich nichts. Für mich war es normal in die normale Schule zu gehen. Schliesslich war meine Behinderung ja in den Beinen, und nicht im Kopf. Ich fühlte mich auch gar nicht so anders. Klar ich wusste um meine Behinderung aber ich machte an den meisten Orten mit. Meine Klassenkameraden machten mir das auch einfach. Ich gehörte einfach dazu.

Ich selbst wuchs in einer Bauernfamilie auf, es zählten Werte wie Arbeiten und draussen sein. Mir brauchte man das nicht zwei mal sagen. Ich half gerne wo ich konnte und testete aus, was mit Behinderung so alles Möglich ist. Ich hatte Interesse am Bauern. Doch meinen Eltern war klar, dass ich wohl nie den Hof übernehmen werde. Sie hofften, dass ich vielleicht die Matura (in Deutschland Abi) schaffe und dann Studiere. Auf diese Weise sollte auch ich ein selbständiges Leben führen können. Das waren so die Ideen meiner Eltern.

Doch Kinder sind nicht nur den Einflüssen der eigenen Familie ausgesetzt. Mit der Einschulung prägen auch die Kontakte der Schulfreunde das Leben. Und was war unter Jungs im alter von sieben bis zehn Jahre so ein Dauerthema? Natürlich Sport! Ich konnte mich dem nicht entziehen. Meine Eltern schauten ziemlich blöde, als ich mir zum Geburtstag nichts anderes als ein Fahrradtacho wünschte. Ich muss dazu sagen, dass damals Fahrrad Tachometer noch was ganz spezielles war. Die wenigsten hatten so einen.

Für meine Eltern war das nicht verständlich. Sie sind auch die non Sportler schlichthin. Mein Vater meinte oft: „Wer richtig Arbeitet, braucht am Abend nicht noch Sport machen.“ Doch ich wollte nichts anderes als mein Zähler. Ich habe es einem äusserst einfallsreichen Fahrradmechaniker zu verdanken, dass mein Geburtstagsgeschenk erfüllt wurde. Es war damals ziemlich schwierig, einen Zähler zu finden, der an das Haverich Therapierad mit den kleinen Räder passte.

Endlich wusste ich wie viel und wie schnell ich fahre. Ich konnte mich messen. Mit mir selbst und mit anderen.  Schon bald hing auch ein Poster vom Schweizer Radrennfahrer Tony Rominger an der Wand. Der Sportler in mir war geboren und keiner hat’s gemerkt.

Fortsetzung folgt

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Einstellung!

Wie geht man als Leistungssportler eigentlich mit schlechtem Wetter um. Schliesslich kann man ja wegen ein paar Regentropfen nicht ein Training ausfallen lassen. Nun, da hat jeder so seine eigene Strategie. Meine Einstellung zu schlechtem Wetter hat sich bei mir nach einer Schlüsselszene grundlegend verändert. Die Geschichte möchte ich Euch heute erzählen.

Herbst 2005, ich hatte Lymphdrüsenkrebs. Doch mir ging es blendend. Die Chemo die ich hatte, bescherte mir keine Nebenwirkungen, ich hatte keine Trainingsausfälle und war voll Leistungsfähig. Die Chemo, die ich alle zwei Wochen erhielt wurde jeweils zwischen zwei Trainings gepackt. Ein Morgen und ein Abendtraining. 12 mal Training die Woche, ich lief an der Grenze des Möglichen.

Ich lag an einem Montag wieder mal in einer Chemo. Meine Stimmung war nicht die beste. Nicht wegen dem Krebs, sondern wegen dem Wetter. Draussen Regnete es wie aus Eimern, und ein Ende war nicht in Sicht. 5 Minuten reichten um durchnässt zu sein. „In diesem scheiss Wetter soll ich nachher Trainieren gehen? DANKE.“

Neben mir lag ein Mann den ich schon von anderen Behandlungen kannte. Er war sonst durchaus optimistisch, doch heute sah er sehr besorgt aus. Als ich ihn darauf ansprach sagte er: „Wissen sie, ich glaube ich schaff das alles nicht.“ Ich war geschockt, der Mann hatte Familie und Kinder. Wir kamen ins Gespräch, sprachen über Ziele und darüber, dass ärztliche Prognosen doch nur dazu da sind, widerlegt zu werden. Der Gesichtsausdruck des Mannes verbesserte sich immer mehr. Ich war etwas früher fertig und so verabschiedete ich mich von ihm: Als er mir die Hand reichte sagte er: „Vielen vielen Dank, sie haben mir die Hoffnung zurückgegeben. Gehen sie nun trainieren und lassen sie sich vom Wetter nicht beeinflussen.

Ganz ehrlich, was haben wir Sportler doch für Luxusproblemchen. Wegen ein paar Regentropfen jammern wir rum. Was soll das?!? Denkt verdammt noch mal dran, während wir uns durch den Regen schlagen, kämpfen andere um ihr Überleben!

100’000 km Countdown

Nein, nicht mit dem Auto, mit dem Velo. Diese oder die nächste Woche fällt diese Zahl. Wäre das nicht wieder mal was für die Presse? Zumal die 100’000 auch irgendwie einen Abschluss darstellen. Denn in Zukunft wird es weniger Velo geben. 2,5 mal um die Welt im Leben reicht irgendwie auch.

Nun arbeite ich an meinem Comeback auf dem Track. Aktuell kläre ich ab, wo ich überall Starten kann. Ich werde gegen meine 20.55 antreten die ich mit 26 Jahren lief. Mein Ziel ist unter 20 und zwar deutlich! Dafür müsste ich einiges an Fortschritte erzielen. Das ist eines meiner ehrgeizigsten Saisonziele meines Lebens. Das rechte Bein will ich durchstrecken und zumindest teilweise ansteuern können. Ob ich das erreiche?

Aktuell sieht es düster aus. Denn ich habe eher Rückschritte statt Fortschritte gemacht. Die Zeit ist eng. In wenigen Wochen muss ich bereit sein. Doch aufgeben tue ich noch nicht. Auch das Velo wird mich bei der Vorbereitung noch unterstützen. Insbesondere das Hochkadenztraining wird in der Koordination helfen. Aber viele Kilometer mit dem Fahrrad wird es diese Saison nicht geben. Dafür umso mehr zu fuss.

Ab jetzt wird wieder richtig trainiert. Ich bin wieder der alte!!!

Die verkannte Nebenwirkung

Erst mal möchte ich allen danken, die mein letztes „Wort zum Donnerstag“ gelesen haben. Es hat mich dazu motiviert, eine zweite Auflage zu machen. Eigentlich wollte ich heute über das Thema „Fehler machen“ schreiben, doch das muss leider warten. Bei mir ist erst kürzlich ein Thema aufgetaucht, dass ich eigentlich schon lange gerne abgeschlossen hätte – Krebs.

Nein, keine Angst, er ist nicht zurück. Diesen Frühling ist es 10 Jahre her, als ich den Krebs endgültig besiegte. Damals sagte mir jemand: „Den Krebs hast du vielleicht besiegt, aber er wird dich für immer begleiten.“

Ich hatte das Glück, mich schon vor dem Krebs mit der Endlichkeit unseres irdischen Daseins befasst zu haben. Wahrscheinlich eines der grössten Tabuthemen unserer Gesellschaft. Der Tod hat schlicht keinen Platz und so leben wir auch – als würde es nie enden. Wir verschieben gerne alles auf Übermorgen, vor allem wenn es darum geht, mal über den eigenen Schatten zu springen. Ist unsere Angst vor dem Tod vielleicht die Angst, sich irgendwann eingestehen zu müssen, sein Leben nicht gelebt zu haben?

Jemand sagte mal, „wir bereuen nicht das was wir gemacht haben, sondern das was wir nicht gemacht haben.“ Ein erfülltes Leben zu leben ist keine einfache Sache, da es keine Rezepte dafür gibt. Aber ich bin der Meinung, dass es der Wert ist, es zu versuchen!

Eine „Lebensaufgabe“ hatte ich schon vor dem Krebs. Das ist die, dass ich irgendwann normal gehen will. Fragt mich nicht wieso gerade das, ich will es einfach. Den Krebs hat diesen Willen noch mal gestärkt. Ich weiss sehr wohl, dass das ein Ding der Unmöglichkeit ist, aber für Unmöglichkeiten habe ich mich noch nie erwärmen können.

Durch den Krebs habe ich plötzlich gemerkt, dass ich nicht alleine bin, der das Unmögliche versucht. Ich lernte Leute kennen, die seit 20 Jahren unter dem Boden sein sollten! Und wir motivieren uns gegenseitig. Solange ich auf diesem Planeten irgendjemanden finde, der das Unmögliche versucht, werde auch ich weiter kämpfen. Ich habe aufgegeben aufzugeben.

Und wer es bis hier her geschafft hat, darf natürlich auch wieder liken, sharen, weitergeben, was auch immer – Danke!

Warum habe ich eine Behinderung?

Nein, ich meine damit nicht den medizinischen Grund. Der ist bei mir relativ klar. Es geht hier um die philosophische Frage. Ist das Leben nicht verdammt unfair. Warum muss es Menschen geben die offensichtlich benachteiligt sind? und warum gerade ich? Ich glaube jeder Behinderte kennt diese Frage?

Auch ich stellte sie mir – während meiner Pubertät. Auch ich fand es manchmal unfair, habe geheult deswegen. Mit dieser Frage verhält es sich ähnlich wie mit der Frage nach dem Sinn des Lebens. Man kann keine Antwort finden.

Ein bisschen später las ich ein Buch zum Thema Erfolg. Der Author schrieb im halben Buch darüber, wie wichtig es ist, sich von anderen abzuheben, nicht mit der Einheitssuppe zu schwimmen. „Hä“, dachte ich, „ich hatte gar nie die Chance, Teil des Einheitsbrei zu sein“ Etwas vom schwierigsten ist, als behinderter normal zu sein. Entweder man fällt der Gesellschaft als unterstützungsbedürftige Person auf, oder aber man wird vom Umfeld bewundert.

Die Behinderung hat mich dazu gebracht, mich mehr mit dem Leben auseinander zu setzen. Früh habe ich gelernt, dass nichts auf dieser Welt selbstverständlich ist. Früh musste ich kämpfen lernen. Ich bin an vielen Orten vorbeigekommen, an denen ich ohne Behinderung nie vorbeigekommen wäre. Ich hätte wohl auch viele Erfolge nicht gefeiert. Ein „Einheitssuppenmensch“ macht eine Weltumrundung mit dem Flugzeug. Er hat alles von oben gesehen aber war nie wirklich vor Ort. Klar, er könnte auch mit dem Fahrrad fahren, aber das ist ihm zu anstrengend. Wenn möglich wird sogar ein Non stop Flug von Geburt bis Tod gebucht.

Ich werde zwar vielleicht nicht die Welt umrunden, dafür habe ich die paar bereisten Städte hautnah miterlebt und auch mitgeprägt. Für mich ist die Behinderung zu einem schönen Teil verantwortlich, dass ich heute mein Leben lebe. Hätte ich sie nicht, wäre ich wahrscheinlich zu bequem dazu 😉

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Regen… endlich kann ich zeigen wer ein richtiger Sportler ist

Heute morgen um 5 Uhr kam ich noch trocken durchs Training. Aber das nächste training scheint nass zu sein. Das Morgen Training lief gut, und jetzt ist es wieder mal an der Zeit, es richtig krachen zu lassen.

Regen Outdoor Trainings haben es in sich. Sie fordern besonders viel Motivation. Doch wenn man diese aufbringt kann man dabei das wahre Wunder erleben. Momente in denen alles in Zeitlupe vorbei zieht, wo man jede einzelne Bewegung wahr nimmt, und spührt wie sich Kraft entwickelt. Dass man dabei vollkommen nass wird interessiert einem nicht. Man hat nur den Verkehr und die trainingsroute im kopf. Absolute Konzentration.

Ich habe schon ettliche solche Trainings hinter mir, und die Erinnerung daran weckt den Hunger auf neue. Ich hab ein Ziel: „Normal zu gehen“ und dazu stehe ich! Und ich bin bereit dafür zu kämpfen. Für alle, die glauben dass das unmöglich sei, gibts ne Extrarunde!

Sorry, das musste jetzt sein.

Gruss Raphael