Stützradkrimi – Schulische Probleme

Eigentlich will ich nicht zu viele Worte über die Schule verlieren. Dennoch gehört es auch ein bisschen dazu. Sozial war ich wie gesagt super integriert. Doch ich hatte keinerlei schulische Unterstützung. Erschwerend dazu kam, dass wir in einem Klassenraum drei Klassen hatten. Integration war damals ein Luxus der von den Schulbehörden nur unterstützt wurde, wenn alles reibungslos klappte. Man musste als Behinderter schon eher im oberen schulischen Sektor sein, um diesen Status zu behalten.

Ich war ein schlaues Kerlchen, und von der Intelligenz her, hätte ich eigentlich ganz vorne dabei sein sollen. Doch irgendwie klappte es nicht richtig, und keiner wusste genau warum. Ich hatte oft die Hausaufgaben nicht, und war im Unterricht oft nicht bei der Sache. Dennoch habe ich im Unterricht das meiste mitbekommen. Mal abgesehen vom Deutsch war ich nämlich gar nicht so schlecht.

Deutsch war für mich einfach eine einzige Tortur. Also nicht falsch verstehen. Ich schrieb gerne, aber weshalb müssen die Blätter immer komplett rot zurückkommen? Ach ja, Rechtschreibung und ich wahren nie gute Freunde. Ich sah das nicht so problematisch an, denn ich habe die Tragweite nicht verstanden. Ich wusste ja auch nicht, wie viele Diskussionen die Eltern gehabt haben, um mich überhaupt in eine Regelschule zu kriegen. Ich dachte, der Platz an der Regelschule sei mir sicher.

Meine Eltern hingegen wussten um die Situation und unternahmen einiges um mich schulisch zu unterstützen. Sie schleppten mich zu irgendwelchen Förderprogrammen, die ich überhaupt nicht mochte. Die Streitereien wegen den Hausaufgaben nahmen stetig zu. Meine Eltern dachten, ich habe einfach keine Lust, und mache deshalb so wenig. Natürlich zählte Schule nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen aber ich habe sehr wohl die Notwendigkeit erkannt. Mein Ziel war es auch, in die Kantonsschule (Gymnasium) zu kommen und ich wusste dass ich mich dafür anstrengen musste. Aber ich konnte es nicht besser.

Das hat damals niemand so recht verstanden, auch ich nicht. Heute weiss ich woran es lag. Heute ist bekannt, dass körperliche Behinderung auch die Konzentrationsfähigkeit beeinflussen können. Cerebral Parese Kinder sind oft sehr träumerisch. Es wird vermutet, dass die Körperliche Entwicklung so viel mehr abverlangt, dass sie diese Auszeiten einfach gebauchen. Ich wirke zwar in den Armen normal entwickelt, habe aber dennoch feinmotorische Probleme. Gerade bei Handschrift wird das besonders deutlich. Es ist nicht nur so, dass ich es schlechter kann, ich brauch auch mehr Konzentration, und ermüde daher schneller. Repetitionsarbeiten waren für mich daher eine reine Folter. Zumal ich, dank meiner super Auffassungsgabe, eh das meiste von der Tafel lernte.

Das alles wusste damals niemand. Man sah nur, dass ich im Unterricht oft vor mich hin träumte… gerade wenn wir ein Arbeitsblatt machen sollten. Und dass ich halt die Hausaufgaben oft nicht hatte. Das alles reichte natürlich aus, um die Schulbehörde zu alarmieren. Und da ging die ganze Diskussion um die Integration von neuem los.

2 Gedanken zu „Stützradkrimi – Schulische Probleme

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